Hände waschen, aber richtig

17.03.2020 16:38

Frauenhände - waschen

Da wir im Verlauf der letzten Woche öfter auf das ein oder andere genauso alte wie falsche Gerücht rund um die Seife angesprochen wurden, greifen wir mit diesem Artikel das Thema "Händewaschen mit Seife zum Schutz vor Infektionen" auf. Außerdem sind wir auch ein wenig entsetzt über die große Zahl an Falschinformationen, die momentan auf sozialen Medien und per Messenger verbreitet werden. Daher wollen wir mit ein wenig sachlicher Information dagegenhalten.

Wir würden uns freuen, wenn ihr uns dabei unterstützt indem ihr unseren Blog-Post lest und teilt!

Das Wichtigste zuerst:

  1. Gründliches Händewaschen ist eine der einfachsten und effektiven Maßnahmen, um sich vor Infektionen zu schützen.

  2. Zum Händewaschen könnt ihr einfach Seife verwenden, Desinfektionsmittel oder desinfizierende Waschlotionen bringen im privaten Umfeld keinen Vorteil.

  3. Wascht euch regelmäßig und vor allem zum richtigen Zeitpunkt die Hände, also nicht nur nach dem Besuch der Toilette und vor dem Essen, sondern z.B. vor allem auch nachdem ihr unterwegs wart und wieder nach Hause/an den Arbeitsplatz zurückkommt.

  4. Verwendet rückfettende und milde Seifen, damit ihr eure Haut durch das häufigere Waschen nicht übermäßig strapaziert. Unter Umständen ist zusätzlich die Verwendung einer feuchtigkeitsspendenden und pflegenden Creme sinnvoll.

 

Außerdem wollen wir an dieser Stelle drei Fakten festhalten und damit anders lautenden Gerüchten rund um Seife und das Händewaschen entgegen treten. Anders als manche Gerüchte es behaupten,

  • reinigt Stückseife genauso hygienisch wie Flüssigseife

  • sind Desinfektionsmittel bzw. antibakterielle Waschlotionen im privaten Bereich in der Regel überflüssig

  • schützt das Waschen mit normaler Seife effektiv vor der Infektion mit Viren

Stückseife reinigt genauso gründlich und hygienisch wie Flüssigseife

Seit es flüssige Seifen gibt, ist eines der Argumente, das immer wieder für die Nutzung von Flüssigseife angeführt wird, die größere Hygiene.

Schon seit den 1960er Jahren gibt es dazu immer wieder Untersuchungen und Studien, die das belegen.

Diese Untersuchungen kommen immer wieder zu den gleichen Ergebnissen, nämlich das dass Waschen mit Stückseifen, zu einer genauso gründlichen Entfernung von Keimen und Bakterien führt wie bei der Verwendung von flüssiger Seife. Außerdem kommt es auch zu keiner Übertragung von Keimen von einer Person zu anderen, wenn mehrere Personen nacheinander ein Stück Seife benutzten. Die Zusammenfassung einer Studie aus dem Jahr 1988 findet ihr hier: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/3402545

Es gibt also auch in der aktuellen Situation keinen Grund, auf die viel nachhaltigere Stückseife zu verzichten.

Das Händewaschen mit Seife schützt auch vor der Infektion durch Viren

Auch die immer wieder auftauchende Aussage, dass gegen Viren eine Wäsche mit normaler Seife nicht hilft, ist ein Irrtum. Eine im Fachmagazin "Hygiene und Medizin" veröffentlichte Untersuchung beschäftigt sich ausdrücklich mit der Wirkung der Reinigung der Hände mit Seife beim Schutz vor einer Infektion mit Viren.

Untersucht wurde, ob die Reinigung mit Seife ausreicht, um die zuvor auf die Hände aufgebrachten Grippe-Viren wirkungsvoll zu entfernen. Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, das nach 20-sekündigem Händewaschen mit Seife kein infektiöses Influenzavirus mehr nachgewiesen werden konnte. Den Vollständigen Artikel findet ihr auf der Seite des Robert Koch Instituts (https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Erreger_ausgewaehlt/Influenza/Influ_Haende.pdf.pdf?__blob=publicationFile

Gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife ist eine gute Hygienemaßnahme

Zusammenfassend kann also festgestellt werden, dass die gründliche Reinigung der Hände mit Wasser und Seife eine ausgezeichnete Maßnahme ist, um das Risiko einer Infektion stark zu verringern und die Verbreitung von Bakterien und Viren einzudämmen. Da das Waschen mit Seife nicht nur Bakterien, sondern auch Viren effektiv von den Händen entfernt, ist im privaten Bereich die Verwendung von Desinfektionsmitteln oder antiseptischen Waschlösungen in der Regel überflüssig.

Sehr gut zusammengefasst hat dies auch das Magazin GEO in einem Beitrag, den ihr auf der Webseite des Magazins findet: https://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/18882-rtkl-nachhaltigkeit-im-bad-seifenstueck-versus-seifenspender-was-ist

Gründlich die Hände waschen - so geht`s

Wir haben ja nun schon mehrfach betont, wie effektiv gründliches Händewaschen ist. Doch worauf kommt es dabei an?

  1. Die Hände nass machen - Die Hände unter fließendem Wasser nass machen. Auf die Wassertemperatur kommt es dabei im Grunde nicht an, d.h. die Hände werden nicht zwangsläufig sauberer je heißer das Wasser ist.
  2. Rundherum einseifen - Nicht nur die Handinnenflächen einseifen, auch die Handrücken, Daumen, Fingerzwischenräume und Fingerspitzen nicht vergessen. Übertragt also durch bewegen des Seifenstücks in den Händen genug Seife, legt das Seifenstück dann beiseite oder hängt es an den Seifenhalter und verteilt dann durch Reiben der Hände die Seife überall an beiden Händen.
  3. Auf die Zeit kommt es an - Um die Hände gründlich zu waschen solltet ihr euch 20 bis 30 Sekunden Zeit nehmen. Diese Zeitangabe bezieht sich auf den eingentlichen Einseif-Vorgang, insgesamt braucht man also 45 bis 60 Sekunden.
  4. Gründlich abspülen - Danach gilt es die Seife samt Schmutz und Keimen unter fließendem Wasser gründlich abzuspülen.
  5. Am Schluss nur noch gut abtrocknen - Dabei ist es nicht ganz unwichtig, dass das Handtuch die ganze Mühe nicht zu Nichte macht, tauscht also bitte die Handtücher regelmäßig aus. Wenn ihr euch unterwegs die Hände wascht, kann es evtl. sinnvoll sein auf das Abtrocknen zu verzichten, wenn dafür nur ein nicht sauberes Handtuch zur Verfügung steht.

Neben dem richtigen Wie, zählt auch das richtige Wann!

Fast genauso wichtig wie das richtige Vorgehen beim Händewaschen selbst, ist der richtige Zeitpunkt. So kam eine repräsentative Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zwar zu dem Ergebnis, dass die große Mehrheit der Menschen sich die Hände zwar nach dem Gang zur Toilette und vor der Zubereitung von Speisen waschen, nach dem Naseputzen macht das aber nur ein Drittel! Ein anderer in Bezug auf den Infektionsschutz besonders wichtiger Moment, in dem wir uns die Hände waschen sollten, ist die Rückkehr nach Hause oder an den Arbeitsplatz. Dadurch werdet ihr Keime, die ihr unterwegs mit den Händen aufgenommen habt zuverlässig los.

Für einen guten Infektionsschutz in der aktuellen Situation solltet ihr euch die Hände am besten wie folgt waschen:

Immer nach…


… dem nach Hause/an den Arbeitsplatz zurückkommen.


… dem Gang zur Toilette.


… dem Naseputzen, Husten oder Niesen (vor allem wenn ihr doch in die Hand gehustet oder geniest habt, statt in die Armbeuge).

Immer vor…


... Mahlzeiten.


... der Einnahme mit Medikamenten oder Kosmetika, die ihr dabei mit den Händen berührt.

Immer vor und nach…


… der Zubereitung von Speisen.


… dem Kontakt mit Kranken.

Einen sehr ausführlichen und auf den allgemeinen Infektionsschutz bezogenen Artikel zum Infektionsschutz durch Händewachen, findet ihr auf der Seite infektionsschutz.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung:

https://www.infektionsschutz.de/haendewaschen/#c6354

Wie erkennt ihr Falschmeldungen?

Wir sind weder Wissenschaftler noch Journalisten, sondern nur Seifensiederinnen. Dennoch haben wir versucht uns in diesem Blog-Post an die Dinge zu halten, die an für einen guten und informativen Artikel wichtig sind.

Das bedeutet, dass wir unsere Quellen nennen und verlinken. Wir nutzten nur seriöse Quellen (anerkannte Institutionen, namentlich genannte Wissenschaftler, öffentliche Behörden/Einrichtungen, andere Veröffentlichungen, die sich ebenfalls an diese Prinzipien halten).

Wir beschränken die Äußerung unserer eigenen Meinung auf ein Minimum und kennzeichnen diese Meinungsäußerungen deutlich. In diesem Post z.B. mit Formulierungen wie "wir waren ein wenig entsetzt".

Wenn ihr Dinge, die ihr lest oder hört anhand dieser Kriterien beurteilt, könnt ihr in der Regel sehr zuverlässig, unzuverlässige oder falsche Meldungen/Informationen von seriösen Fakten unterscheiden.

Wenn ihr etwas lest wie "der Freund einer Freundin kennt einen Wissenschaftler…" oder "eine Universität hätte eine Untersuchung durchgeführt und dabei etwas herausgefunden" ohne dass die konkrete Universität genannt oder/und auf die Ergebnisse der Studie verlinkt wird, könnt ihr das Lesen oder Zuhören im Grunde sofort einstellen. Auf keinen Fall solltet ihr solche Meldungen weiterverbreiten und teilen.

Ein besonders unschöner Hoax dieser Art erreicht uns in den letzten Tagen selbst per Messenger. Dabei warnte eine Frau - die wir wie in solchen Fällen üblich natürlich nicht kennen - vor der Einnahme eines Schmerzmittels, weil die Medizinische Universität Wien etwas herausgefunden hat. Die genannte Universität sah sich daraufhin gezwungen diese Falschmeldung offiziell zu dementieren (https://www.meduniwien.ac.at/web/ueber-uns/news/detailseite/2020/news-im-maerz/angebliche-forschungsergebnisse-der-wiener-uniklinik-rund-um-das-covid-19-virus-und-ibuprofen-sind-fake-news/).

In den letzten Tagen tauchten solche Falschmeldungen auch in Verbindung mit anderen Medikamenten auf. Regelrecht gefährlich sind sie, weil Sie evtl. Menschen davon abhalten wichtige oder gar notwendige Medikamente einzunehmen, was diese Menschen dann wirklich in Gefahr bringen kann.

Wir würden uns freuen, wenn ihr unseren Artikel teilt, denn wie schon eingangs gesagt, stellt richtiges Händewaschen eine einfache und sehr effektive Möglichkeit dar, das Infektionsrisiko zu senken. Außerdem haben wir hoffentlich gezeigt, dass ihr euch Ausgaben für inzwischen oft überteuerte Desinfektionsmittel in der Regel sparen könnt. Vielleicht konnten wir ja auch dazu beitragen, dass es euch in den kommenden Wochen leichter fällt, seriöse von unseriösen Informationen zu unterscheiden.

Eure Seifensieder/innen

Nicole & André


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